Die Ziege (von H. Feisel)

Die Ziege

Die Ziege meckert manche Stunden, fühlt sich im Stalle angebunden. Die Ziege steht in ihrer Reih und fühlt sich in dem Stall nicht frei. Die Freiheit will sie gern genießen, dort wo Kraut und Gräser sprießen, denn der Frühling ist erwacht, wenn die Sonne strahlend lacht. Die Ziege wär darum gern frei, denn der Winter geht vorbei.

Wo die Vögel trillernd singen, tut Lebensfreude auch gelingen. Da hält man’s aus, ganz allgemein, da ist man glücklich, kann man sein. Die Ziege steht auf jeden Fall, zum Fressen pünktlich in dem Stall, eingereiht in ihrer Sippe, freudig vor der Futterkrippe. Auch nach dem Ausgang gibt es dort, den Nachtisch und ein gutes Wort, denn es hilft mit seinem Rat, der Ziegenbauer in der Tat.

Die Ziege, mit nicht vollem Magen, kann einen Nachschlag gut vertragen, ist ihrem Magen noch was schuldig und meckert darum ungeduldig. Die Ziege sucht noch was zum schleckern und muss aus dem Grund weiter meckern. Der Bauer kommt, ein guter Mann. Damit die Ziege fressen kann, füllt er der Ziege im Verlaufe, mittels Heu und Stroh die Raufe. Die Ziege hat sich mehr versprochen und am alten Heu gerochen, das sie aus der Raufe zog, vermisst die Körner in dem Trog.

Die Mahlzeit bleibt noch unverdaut. Die alte Ziege kaut und kaut. Das Heu, getrocknet einst als Gras, ist rau und ist ein grober Fraß. Die Ziege kann sich nicht belecken. Das alte Heu will ihr nicht schmecken. Zum Kauen ist sie bald zu faul, drum meckert sie mit vollem Maul. Die Mahlzeit will ihr gar nicht munden, davon tut ihr Gemecker kunden. Das Fressen findet sie nicht lecker, drum reklamiert sie durch Gemecker.

Die Ziege tut das Heu zu Haufen wütend mit den Hörnern raufen. Sie meckert laut, sie ist nicht still, übers Heu, das sie nicht will. Die Mahlzeit bietet Grund zum Klagen, trocken liegt ihr das im Magen. Das alte Heu bleibt in den Raufen. Die Ziege will erst Wasser saufen. Die Mahlzeit ist ein zäher Brocken, das Heu ist staubig, zäh und trocken. Sie meckert nun, dass ihr was fehle und zwar das Wasser für die Kehle. Der Bauer tut das Wasser reichen, nun kann sie sich das Futter weichen.

Doch hat die Ziege unterdessen, völlig andre Interessen. Sie verlangt zu mancher Zeit, gelegentlich nach Zärtlichkeit. Sie fühlt sich manchmal obendrein, ohne Ziegenbock allein. Fühlt sich allein, lässt das nicht gelten und beginnt dabei zu schelten. Es meckert nun in diesem Fall, die Ziege weiterhin im Stall. Man krault nunmehr an mancher Stelle, dem Tier sehr eifrig in dem Felle. Man tut sie an dem Halse packen und krault sie weiter an dem Nacken, was die Ziege in der Tat, häufig mag und gerne hat.

Doch schweigt sie nicht, sie ist nicht still, es scheint dass sie was anders will, Sie meckert laut, verlangt nach mehr, nach dem, was ihr viellieber wär. Die Ziege, die im Stalle steckt, hat wohl etwas ausgeheckt. Die Ziege, lüstern, immer kecker, provoziert durch ihr Gemecker und gibt beileibe keine Ruh. Sie meckert weiter immerzu. Sie wird vermählt und gleich geschieden, doch die Ziege ist zufrieden. Man ließ der Ziege ihren Willen. Die konnte ihr Bedürfnis stillen. So endet dieser Flirt im Nu und die Ziege findet Ruh.

(Gefunden im Blog von H. Feisel)